Selbstvertrauen, eine nicht unerhebliche Sache, wenn nicht sogar eine der wichtigsten Sachen im Leben. Es mag viel über Kontrolle laufen, also über den Kopf, doch der Bauch ist dabei ausgeschaltet, der Körper nicht dabei, leider. Schwieriger wird es noch, wenn einst das Urvertrauen in der frühen Kindheit nicht aufgebaut werden konnte. So tut sich dann der ein oder andere erwachsene Mensch schwer, Vertrauen in das Leben, in andere Menschen, in sich selbst, und in die Zukunft zu finden.

Die folgende Exploration ist für das Vertrauen in die Zukunft gedacht und richtet sich speziell auch an Menschen, welche ziemlich viel über die Vergangenheit nachdenken. Ja, sie bleiben regelrecht im Kopfe stecken. In der Psychologie heißt der Fachausdruck Rumination, was so viel bedeutet wie Wiederkäuen, immer wieder über Gleiches nachdenken ohne dabei ein konstruktives Ziel zu verfolgen, bzw. eine hilfreiche Lösung zu entdecken.

Verbringen wir nämlich zu viel Zeit mit Gedanken über negative Dinge, so werden wir, wie gerade erwähnt, zu Wiederkäuern. Diese Rumination hindert uns unter anderem daran positive Dinge wahrzunehmen, d.h. wir sehen alles nur noch grau in grau. Diese Gewohnheit haben wir höchstwahrscheinlich in der Kindheit gelernt, von den Eltern, die es uns eventuell vormachten. Warum verfallen wir der Rumination? Eine Antwort wäre, weil wir uns gut fühlen, wenn wir über unsere Gedanken Kontrolle haben. Nennen wir dies mal eine zufriedene Misere, die laut Christoph André (2012) folgende Eigenschaften hat:

  • Rumination ist ein wiederholendes Fokussieren auf Gründe, Bedeutungen, Konsequenzen.
  • Rumination ist inaktiv, erlaubt somit das Probleme größer werden.
  • Rumination geht auch mit Prokrastination einher, d.h. das wir beständig Dinge aufschieben, anstatt diese zu lösen.
  • Rumination hat es an sich, Probleme in Schubladen zu stecken, ohne sich mit dem Problem auseinanderzusetzen.

Jetzt könnte ich mir vornehmen, all meine Gedanken aufzuschreiben, oder eine Psychotherapie zu machen, oder einen kleinen Kunstgriff anzuwenden. Über diesen Kunstgriff soll es nun gehen. Suche Dir dafür einen Ort, an dem du nicht gestört wirst, sowie einen Zeitraum, in dem du voll bei Dir sein darfst.

Spreche den folgenden Satz mit Nachdruck aus, trommele dabei wie ein Gorilla auf deiner Brust und stampfe mit den Füßen abwechselnd auf den Boden. Wenn du den Satz zu Ende ausgesprochen hast, balle eine Faust und sage mit Nachdruck “Yes” (natürlich darfst du statt “Yes” auch “Ja” sagen). Betone dabei insbesondere die Wörter VERTRAUEN und ´RUMKAUEN, um den eingebauten Reim noch zu verstärken. Diese kleine Übung ist in der Zusammenarbeit mit einer Patientin entstanden. Anfangs war da noch viel Unsicherheit und Rumination stellte für sie kein Fremdwort dar. Was am Ende war, erzähle ich dir gleich.

“Jetzt in die Zukunft vertrauen, nie mehr auf der Vergangenheit ´rumkauen.” —> dazu trommeln und stampfen. Dann…
“Yes”. —> dazu eine Faust machen und dabei den Ellbogen leicht nach unten ziehen.

Und, was nimmst du wahr? Die Patientin berichtete von Erleichterung, einem Energieschub und Freude. In ihren eigenen Worten beschrieb sie es wie folgt: “es ist als wenn der Nebel aus dem Kopf plötzlich weg ist”.

Was hat es mit dem Trommeln, dem Stampfen, der Faust und dem Yes auf sich?

Wenn wir mit den Füßen auf dem Boden stampfen, machen wir uns zuerst bewusst, das da ein Boden unter unseren Füßen ist. Die Vergewisserung, das da ein Boden ist, gibt uns ein Gefühl von Sicherheit (Hammer, 2020). Zudem steigern wir den Energiedurchfluss im Körper. Mehr Energie steht auch für mehr Präsenz. Diese Präsenz stellen wir über die Füße und das Stampfen her.

Eine wichtige Funktion der Kommunikation im Tierreich besteht darin, Rivalität zu zeigen, sowie bei der Partnerwahl behilflich zu sein. Wright (2021) und Kollegen fanden in ihrer Studie über Gorillas heraus, dass diese durch das Trommeln Informationen über ihre Körpergröße übermitteln. Wenn wir das jetzt auf den Menschen übertragen, kommt mir als allererstes Tarzan. Das leichte Trommeln mit leichten Fäusten in der Nähe des Brustbeins wirkt kraftspendend und auch selbstbehauptend.

Eine Faust, gepaart mit einem finsteren Gesichtsausdruck dient der Auslösung einer Emotion, in diesem Fall Ärger (Winkielman et al., 2008). Was wäre wenn der Gesichtsausdruck nicht finster wäre und die Faust am Ende des Satzes als Resultat kommt? Wäre es dann nicht etwas wie eine Siegerpose, eine Geste eines Menschen, der etwas geschafft hat. Genau so ist diese Geste gemeint.

Das Wort “Yes” zusammen mit dem Satz davor kann als Affirmation gesehen werden, welche durch Wiederholung in Fleisch und Blut übergeht. Das Wort “Yes” bestätigt nochmals den davor ausgesprochenen Satz und verleiht ihm zusammen mit der Geste der Faust noch mehr Nachdruck.

Und nun viel Spaß beim Explorieren.

Literatur:

  • André, Christophe (2012). Feelings & Moods. Cambridge: Polity Press
  • Hammer, Cornelia (2020). Im Körper zu Hause sein. Mit Zapchen Somatisch zu Leichtigkeit und Wohlbefinden. Heidelberg: Carl-Auer Verlag
  • Winkielman, P., Niedenthal, P. M., Oberman, L. (2008). The embodied emotional mind. In: Semin, G. R., Smith, E. R. (Hrsg.): Embodied Grounding. Cambridge University Press, Cambridge, NY, 263–288, http://dx.doi.org/10.1017/CBO9780511805837.012
  • Wright, E., Grawunder, S., Ndayishimiye, E. (2021). Chest beats as an honest signal of body size in male mountain gorillas (Gorilla beringei beringei). Sci Rep 11, 6879. https://doi.org/10.1038/s41598-021-86261-8