“There is motion in emotion.” Angel Di Benedetto

Emotion in der Körperhaltung?

Natürlich hat Haltung und Bewegung auch mit Emotion zu tun, ganz nach dem Motto “there is motion in emotion”. Es gibt eine Menge an Emotionen in der Bewegung und somit auch in der Haltung. In dem Buch “Das starke Selbst” steht, dass die emotionale Unreife viel gefährlicher für die Haltung ist, als eine bestimmte Haltung an sich. Während der frühen Prägungsphase in der Kindheit wurden gewisse Verhaltensweisen unterdrückt bzw. verboten und andere Verhaltensweisen wurden gelobt. Durch die Abhängigkeit von äußeren Lob und Tadel, die ein Kind in dieser Zeit ausgesetzt war, wurden spontane Impulse zugunsten zwanghafter auferlegter Verhaltensweisen ersetzt. Diese zwanghaften Verhaltensweisen werden bis in das Erwachsenenalter übernommen. Eine optimale Haltung näher unter die Lupe zu nehmen, hat somit wenig Bedeutung, wenn nicht auch die emotionale Reife einer Person, der Kontext und die Art und Weise wie ein Mensch emotional reagiert, mit in Betracht gezogen wird. Haltung wie auch Bewegungen sind emotional gefärbt. Mit dieser emotionalen Färbung im Hinterkopf, möchte ich nun auf einen Test der Self-Perception Theorie von Riskind und Gotay (Storch, et al., 2010, S. 44 ff.) eingehen.

Self-Perception Theorie

1982 führten zwei Wissenschaftler, John Riskind und Carolyn Gotay einen Test durch. Den Versuchspersonen wurde mitgeteilt an einem Test teilzunehmen, in dem das räumliche Denken getestet wird. Nachdem die Testpersonen mit einigen Tests durch waren und auf ihre Ergebnisse warteten, wurden sie von einem zweiten Testleiter für einen weiteren Test gefragt. Hier sollte die Muskelreaktion und Hautleitfähigkeit anhand der Körperhaltung getestet werden. Dafür wurden zwei Gruppen gebildet, die sich dann jeweils in sitzender Haltung in einem anderen Raum wiederfanden. Gruppe 1 nahm eine nach vorne gekrümmte Haltung ein, Gruppe 2 nahm eine aufrechte Haltung ein. Der Versuchsleiter überwachte die Versuchspersonen und korrigierte sie gegebenenfalls. Der Test dauerte 8 Minuten. Nach Beendigung dieses Tests, bedankte sich die zweite Testleitung und verwies alle Versuchspersonen wieder an die erste Testleitung, welche noch einen letzten Test zum räumlichen Denken durchführen möchte. Die erste Testleitung wusste nicht welche Versuchspersonen in welcher Gruppe waren. Den Versuchspersonen wurde nun eine unlösbare geometrische Aufgabe gegeben. Dies war der eigentliche Test von Riskin und Gotay, denn hier wurde nun das “Durchhaltevermögen beim Lösen einer frustrierenden Aufgabe im Anschluss an das Einnehmen einer Körperhaltung” getestet. Das Ergebnis fiel eindeutig positiv für Gruppe 2 aus, welche aufrecht saß, im Vergleich zur Gruppe 1, welche gekrümmt saß.

Interpretation der Studie

Es wurde die folgende Interpretation aufgestellt: Die Selbstwahrnehmung der Versuchspersonen nach der 8-minütigen gekrümmten Haltung wurde negativ beeinflusst. Sie brachte die Personen dazu, Gefühle der Hilflosigkeit und des Versagens zu entwickeln. Diese Haltung beeinflusste die Psyche, stimmte sie sozusagen negativ vor. Dies führte dann dazu, das in einer schwierigen Situation schneller aufgegeben wird. Schon 1982 plädierten Riskin und Gotay für eine ganzheitliche Forschung, welche Kognition nicht als die einzigste Determinante für Emotion und Motivation sieht. Dem Körper mit seinen Bewegungen und Haltungen kommt eine mindestens ebenso wichtige Rolle zu.

Fazit

Ich würde sagen, dass alleine schon eine gewisse gekrümmte Haltung, was noch nicht notwendigerweise mit depressiven Verstimmungen zu tun haben muss, den emotionalen Grundton und die Motivation verändern kann. Das bringt mich dazu, wenn ich am Schreibtisch, im Zug oder in einem Restaurant sitze, ab und zu mal einen kurzen Bodyscan zu machen. Dieser Bodyscan kann mir persönlich helfen, zu spüren, ob ich mir mit dieser Haltung einen Gefallen tue oder mir eventuell sogar negative Verstimmungen einheimse.

Literatur:

  • Storch, Maja; Cantieni, Benita; Hüther, Gerald; Tschacher, Wolfgang (2010). Embodiment. Die Wechselwirkung von Körper und Psyche verstehen und nutzen (S. 44 ff). Bern: Verlag Hans Huber

Bilder:

  • Foto von Mary Eineman (Unsplash)