Tagged: Motivation

Motivation ist Bewegung

Featured Image

Das Wort Motivation hat eine überraschend einfache Wurzel. Es stammt vom lateinischen „movere“ – bewegen. Motivation meint ursprünglich nicht Anstrengung, Disziplin oder Durchhalteparolen, sondern etwas sehr Grundlegendes, nämlich in Bewegung kommen, sich auf etwas zubewegen oder sich von etwas wegbewegen. Schon früh ging die Psychologie davon aus, dass Lebewesen genau so funktionieren. Wir nähern uns Reizen, die uns guttun, und meiden jene, die uns schaden. Was uns bewegt und in welche Richtung, hängt dabei von inneren Dispositionen ebenso ab wie von unseren Erfahrungen, Prägungen und dem kulturellen Umfeld.

Motivation ist also keine Eigenschaft, die man hat oder nicht hat. Sie ist ein dynamischer Prozess, der Verhalten initiiert, ausrichtet und aufrechterhält. Dabei gibt es innere und äußere Beweggründe. Woher kommt diese Bewegung? Internale Ansätze betonen innere Zustände. Das wären Triebe, Bedürfnisse, Instinkte. Ein Mangel erzeugt Spannung, Spannung erzeugt Bewegung. Wir handeln, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen, sei es durch Wärme, Nahrung, Nähe oder Sinn. Externale Ansätze schauen stärker auf die Umwelt. Das wäre unter anderem Belohnung, Bestrafung, soziale Erwartungen oder kulturelle Normen. Was als wünschenswert gilt, ist hier nicht biologisch festgelegt, sondern erlernt. Kulturen formen, was Menschen anstreben und wie sie sich dafür bewegen. Beides greift ineinander. Motivation entsteht selten rein von innen oder rein von außen. Sie entsteht im Kontakt. Und Kontakt ist sehr oft auch an Erwartungen geknüpft.

Erwartungen bewegen. Da kommt nun ein weiterer Aspekt hinzu. Julian Rotter zeigte, dass unser Handeln davon abhängt, ob wir glauben, ein Ziel erreichen zu können und wie bedeutsam dieses Ziel für uns ist. Motivation wächst dort, wo Handlung als wirksam erlebt wird. Wo ich das Gefühl habe, das mein Tun einen Unterschied macht. Auch Fritz Heider machte deutlich, dass Motivation eng mit unserer inneren Zuschreibung zusammenhängt. Sehe ich mich als Gestalter meines Handelns oder als Spielball äußerer Umstände? Diese innere Haltung beeinflusst nicht nur Motivation, sondern auch Verantwortung, Gesundheit und Durchhaltevermögen. Bei den Erwartungen ist es aber nicht zu Ende. Da gäbe noch die Bedürfnisse.

Bedürfnisse können als Bewegungsimpulse verstanden werden. Humanistische Ansätze, etwa bei Abraham Maslow, richten den Blick auf menschliche Grundbedürfnisse. Sicherheit, Zugehörigkeit, Anerkennung, Selbstverwirklichung. Sie alle sind Bewegungsimpulse. Auch wenn Maslows Modell oft vereinfacht dargestellt wird, bleibt eine zentrale Erkenntnis. Menschen handeln nicht nur, um zu überleben, sondern um Bedeutung zu erleben. Viktor Frankl hat unter extremsten Bedingungen gezeigt, dass selbst dort Bewegung möglich bleibt, wo äußere Freiheit fast vollständig fehlt. Nicht jede Motivation ist angenehm, aber Sinn kann tragen, selbst durch Widrigkeiten.

Für mich ist Motivation Bewegung. Oder noch anders ausgedrückt. Motivation ist gelebte Bewegung. Motivation zeigt sich nicht zuerst im Denken, sondern im Tun. Im Aufstehen. Im ersten Schritt. Im Wiederauftauchen, auch ohne inneres Feuerwerk. Gerade beim Lernen, beim Üben, beim Verändern zeigt sich dies. Motivation entsteht oft nach der Bewegung, nicht davor. Wer handelt, reguliert sich. Wer sich reguliert, bleibt eher dran. Vielleicht ist Motivation also weniger eine Frage von Willenskraft als von Bewegungsbereitschaft. Nicht: Bin ich motiviert genug? Sondern: Was bringt mich jetzt ein kleines Stück in Bewegung? Denn genau dort beginnt sie: die Motivation.

Bilder: