Hey du, hast du schon hyperventiliert? Nein. Ok, vielleicht ganz gut so. Könnte sein, dass du bewusstlos wirst, umfällst, und dir deswegen die Nase brichst. Das wollen wir natürlich nicht. Aber zurück zum Punkt. Was bei Hyperventilation wirklich passiert und warum sanftes Atmen so effektiv ist, soll der Fokus hier in den folgenden Worten sein. Wir alle atmen ja, also ständig, automatisch und meist vollkommen unbemerkt. Ist schon echt eine coole Sache, das mit der Atmung. Ein Hoch auf autonome Prozesse. Doch sobald wir beginnen, bewusst in unsere Atmung einzugreifen, kann Erstaunliches passieren. Von Stromgefühlen im Körper über emotionale Durchbrüche bis hin zu Schwindel oder sogar Ohnmacht. Da draußen gibt es viele Hyperventilationsmethoden. Die nennt man auch oft Breathwork. Sie haben weltweit Zulauf, versprechen Heilung, Transformation und spirituelle Erlebnisse. Aber was geschieht dabei wirklich im Körper? Und warum sagen traditionelle Atemschulen wie Buteyko, dass weniger manchmal mehr ist? Ok, gehen wir da mal rein.
Das Missverständnis über Sauerstoff
Jetzt gibt es ja Menschen die glauben, je mehr und größer sie atmen, desto mehr Sauerstoff bekommen sie, also ihr Körper, und desto gesünder sind sie. Das klingt logisch, ist aber falsch. Unser Blut ist im Normalfall bereits zu 95–98 % mit Sauerstoff gesättigt, selbst wenn wir völlig entspannt und nur flach durch die Nase atmen. Mehr Luft holen bringt deshalb nicht mehr Sauerstoff ins System. Das geht physiologisch gar nicht. Der Schlüssel liegt an einer ganz anderen Stelle: CO₂.
Was passiert bei Hyperventilation?
Wenn wir bewusst ganz groß und schnell atmen, wie in manchen Breathwork-Methoden oder wenn jemand in Stress geraten ist, sinkt die Kohlendioxid-Konzentration im Blut sehr schnell. Dieser Zustand heißt Hypokapnie. In anderen Worten besteht ein CO₂-Minus. In nur 20–30 Sekunden können die CO₂-Werte auf die Hälfte fallen. Und genau das verändert den Stoffwechsel dramatisch. Die Blutgefäße ziehen sich zusammen. Die Durchblutung sinkt. Das Gehirn bekommt dann weniger Sauerstoff. Hände und Füße könnten kalt werden. Und dann kommt der Schwindel. In anderen Worten wird dir Schwarz vor Augen. Das Denken wird neblig. Nennen wir das mal Brain Fog. Diese Ohnmacht, die dadurch entsteht, ist ein Schutzmechanismus. Diese Ohnmacht sagt dir, dass der Körper kurz abgeschaltet wird. Der Atem normalisiert sich dann wieder und das System kehrt zurück ins Gleichgewicht. So, und jetzt verbinden wir das mit dem Bohr-Effekt. What?!?
Der Bohr-Effekt – leicht erklärt
Das ist ein entscheidender Mechanismus. Ich nenne ihn, den Big Player. Also, der Bohr-Effekt besagt, dass der Körper Sauerstoff nur dann an Muskeln und Organe abgibt, wenn genügend CO₂ vorhanden ist. Das ist wirklich wichtig. Nur dann!!! Das heißt auch, wenn CO₂ sinkt, wie z.B. durch Hyperventilation, wie oben erwähnt, dann wird weniger Sauerstoff freigegeben. Das bedeutet wiederum, dass die Gefäße sich zusammenziehen. So wie wir jeden Tag essen, so braucht auch das Gewebe Nahrung, die sie aber nicht bekommt.
Wenn CO₂ wieder steigt und das passiert bei ruhiger Nasenatmung, wie es bei unzähligen Buteyko-Übungen der Fall ist, dann weiten sich die Gefäße. Dann nimmt auch die Durchblutung wieder zu. Muskeln, Gehirn und Nervensystem erhalten nun mehr Sauerstoff. Also, mehr atmen bringt nicht mehr Sauerstoff, sondern weniger. Ok, gehen wir mal weiter. Willst du dich high fühlen und das ganz ohne Joint?
Warum fühlen sich manche beim Hyperventilieren trotzdem high?
Ganz einfach. Es ist eine Kombination aus Minderdurchblutung im Gehirn. Daraus resultieren veränderte Gehirnaktivitäten. Das bedeutet, dass die emotionalen Zentren, die plötzlich mehr Platz bekommen, mehr zu sagen haben und dies verstärkt wiederum die Sensorik, also das wäre dann das Gefühl von high. Das kann dann ein Schauer sein, oder ein Kribbeln. Das ist es was ich mehrere Male erlebte. Echt abgefahren, aber mit Vorsicht zu genießen. Es kann auch zu einer emotionalen Entladung kommen. Daher machen das viele, für eine spirituelle Grenzerfahrung, oder um heil zu werden. Ich sehe das ein wenig mit vorsichtigen Augen.
Dauerhaft oder täglich so zu atmen, kann problematisch werden. Also ich spreche von Hyperventilation. Und ja, viele Menschen atmen genau. Leider ist das so. Die Spannung im Nervensystem nimmt zu. Da kann man dann noch so viel Yoga oder Feldenkrais machen, wie man möchte. Könnte dennoch schwer werden. Gereiztheit und Schlafprobleme nehmen zu. Es kann sogar in Panikanfälle resultieren. Der Weg daraus ist leicht, also was die Theorie betrifft.
Buteyko heißt sanft atmen und stark wirken
Während Breathwork oft auf Intensität setzt, verfolgt die Buteyko-Methode das Gegenteil. Weniger atmen und dafür effizienter. Das Ziel ist, den CO₂-Toleranzpunkt zu erhöhen und zwar in dem du ruhiger, langsamer und vor allem nasal atmest. Das beruhigt dein Nervensystem. Und, es verbessert deine Sauerstoffversorgung. Menschen, die chronisch zu viel atmen profitieren oft enorm. Ich nenne mal nur ein paar Vorteile: weniger Stress, besserer Schlaf, mehr Ausdauer, klare Gedanken, ruhigeres Herz-Kreislauf-System. Reicht das, oder möchtest du noch mehr. Mehr! Ok. Ich gebe dir mal eine Übung. Die finde ich echt mega cool.
Die Wolke
- Setz dich ruhig hin und beobachte den Atem.
- Atme nur aus dem Bauch – weich und möglichst ohne Brustbewegung.
- Stell dir deinen Atem wie eine Wolke vor, die mit jedem Einatmen größer wird und mit dem Ausatmen kleiner.
- Jetzt lass die Wolke Schritt für Schritt kleiner werden, d.h. ein wenig weniger einatmen und weich und entspannt ausatmen.
- An einem Punkt entsteht ein ganz sanfter Lufthunger. Das ist ok. Bleib dabei. Atme weiter. Ein paar Minuten.
Was passiert dabei im Körper?
Na ja, die CO₂-Konzentration steigt leicht an. Die Blutgefäße öffnen sich und dadurch wird das Gewebe besser versorgt. Der entscheidende Punkt ist. Das Nervensystem schaltet nun um auf Erholung. Wenn du das regelmäßig machst, führt das zu einem ruhigerem Atem, einem besserem Schlaf und mehr innerer Balance. Und wenn du es hören möchtest, dadurch auch zu mehr Leistungsfähigkeit.
Fazit
Atmen ist mächtig, aber empfindlich. Wie ein wildes Tier, mit dem man respektvoll umgehen muss. Hyperventilation kann eindrucksvolle Erfahrungen auslösen und emotionale Prozesse anstoßen, aber auch Minderdurchblutung und Ohnmacht erzeugen. Die sanfte Buteyko-Atmung dagegen ist physiologisch nachhaltig und verbessert die Sauerstoffversorgung. Somit beruhigt sie das Nervensystem und stärkt die Gesundheit auf Dauer. Mit anderen Worten. Transformierende Atemerlebnisse können beeindruckend sein, aber die wahre Magie entsteht meist im Leisen.
Literatur:
- Skuban, Ralph (2022). Die Buteyko Methode. Amerang: Crotona Verlag GmbH & Co. KG
- Skuban, Ralph (2022). Atmen. München: Droemer Knaur GmbH & Co. KG
Bilder:
- Foto von Sergei Zacharov auf Unsplash

