Im Artikel "Aufstehen und dann?” thematisiere ich die alltägliche Routine des Aufstehens und hinterfrage, ob Menschen wirklich im Leben stehen oder lediglich funktionieren. Ständige Aktivität ohne echte Verbindung können zu existenzieller Leere und Einsamkeit führen und zwar dann, wenn Kompensationsmechanismen versagen und Masken fallen. Menschen sollen nicht wie Maschinen funktionieren, was das Festhalten an starren Mustern voraussetzt. Ich plädiere für die Akzeptanz von Veränderung als natürlichen Fluss des Lebens und sehe die Liebe als transformative Kraft, die hilft, vom Leiden ins Leben zu gelangen. Dynamische Stabilität bedeutet für mich, mich selbst zu akzeptieren und flexibel auf Veränderungen zu reagieren, um echte Lebendigkeit zu erfahren.

Also noch einmal. Aufstehen und dann? Ja, genau dann! Was passiert dann? Der Wecker klingelt, die Gedanken rasen los. Noch bevor die Füße den Boden berühren, beginnt das innere Programm: Aufgaben, To-dos, Pläne. Schnell ins Bad, schnell einen Kaffee, schnell los. Doch wohin eigentlich? Und warum immer so eilig?

Wir leben in einer Gesellschaft, die Unruhe nicht nur duldet, sondern regelrecht kultiviert. Norbert Bolz beschreibt es treffend:

"Moderne Gesellschaften kultivieren Unzufriedenheit auf hohem Niveau. Das Streben nach Glück wird hier selbst zum Ersatz für das Glück. Gerade die Unruhe ist die Stabilitätsbedingung sozialer Systeme” (Bolz, 2002).

Wir rennen dem Glück hinterher, als wäre es ein Produkt, das man kaufen oder eine Optimierungsstufe, die man erreichen könnte. Aber je höher wir auf der Bedürfnispyramide klettern, desto instabiler werden unsere Wünsche. Wir glauben, Abenteuer erleben zu müssen, um uns lebendig zu fühlen, Sicherheit kaufen zu können, um Angst zu vermeiden, oder Anerkennung zu finden, wenn wir nur das Richtige besitzen. Doch wahre Zufriedenheit entsteht nicht durch Haben, sondern durch Sein.

Warum also nicht einmal innehalten? Nicht aufspringen, nicht sofort funktionieren. Stattdessen einfach einen Moment liegen bleiben, den Atem spüren, das Licht im Raum wahrnehmen. Vielleicht den ersten Schluck Kaffee nicht hastig trinken, sondern genießen. Die Wärme der Tasse in den Händen fühlen, die Stille des Morgens aufnehmen.

Das Leben findet nicht in der Zukunft statt, nicht im nächsten großen Ziel, nicht im nächsten Kauf oder Erfolg. Es ist jetzt. Genau hier, in diesem Moment. In diesem Moment, das Fenster ist leicht geöffnet, die ersten Sonnenstrahlen dringen herein. Hat nicht Ambrosius schon geschrieben, dass die Sonne das Auge der Welt ist, die Freude des Tages ist, die Schönheit des Himmels ist, die Anmut der Natur ist, das Juwel der Schöpfung ist. Die Sonne ist sooooo viel, und ich brauche im Moment sooooo wenig. Und jetzt genieße ich erstmal die morgendliche Sonne auf meiner Haut.

Literatur:

  • Bolz, Norbert (2002). Das konsumistische Manifest. München: Wilhelm Fink Verlag

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