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Hat neurogenes Zittern Effekte auf die Lebensqualität?

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Die Dissertation von Taryn McCann (2011) untersucht eine Frage, die für die therapeutische Arbeit mit TRE besonders spannend ist: Kann das neurogene Zittern, wie es Berceli beschreibt, die Lebensqualität nachhaltig verbessern? Die Studie ist eine Pilotuntersuchung, aber ihre Ergebnisse sind bemerkenswert und werfen ein interessantes Licht auf das Potenzial von TRE.

Was wurde gemacht?

McCann führte ein quasi-experimentelles Vorher-Nachher-Design durch. Insgesamt nahmen 50 Personen zwischen 21 und 70 Jahren an einem intensivem, viertägigen TRE-Einführungskurs teil, der von David Berceli selbst in Südafrika geleitet wurde (McCann, 2011). Die Teilnehmenden kamen aus verschiedenen Berufsgruppen und hatten keine spezifischen Vorkenntnisse in TRE. Um zu messen, wie sich die Teilnahme auf das Wohlbefinden auswirkte, nutzte McCann drei etablierte psychologische Fragebögen: den State-Trait Anxiety Inventory (STAI-S), den 36-Item Short Form Health Survey (SF-36) sowie das Psychological General Well-Being Index (PGWB). Diese Instrumente erfassen unter anderem Angst, Lebensqualität, Stressbelastung und allgemeines psychisches Wohlbefinden. Die Daten wurden direkt vor Beginn des Kurses und unmittelbar danach erhoben. Eine Nachmessung nach vier Wochen war geplant, konnte aber nicht ausgewertet werden, da zu wenige Fragebögen zurückkamen.

Was kam heraus?

Die Auswertungen zeigten eine signifikante Verbesserung in zwei zentralen Bereichen: Angstreduktion und allgemeines psychisches Wohlbefinden (McCann, 2011). Die Teilnehmenden fühlten sich nach dem Kurs weniger angespannt und berichteten von einem gesteigerten Gefühl innerer Stabilität, Ausgeglichenheit und mentaler Vitalität. Diese Effekte traten unmittelbar nach den vier Tagen auf und lassen vermuten, dass das neurogene Zittern hier eine direkte regulierende Wirkung auf das autonome Nervensystem entfalten könnte. Andere Bereiche veränderten sich jedoch nicht signifikant. Sowohl die körperliche als auch die psychische Funktionsskala des SF-36 blieben unverändert, ebenso die Werte der Zustandangst im STAI-S. McCann interpretiert dies vorsichtig. Die Intervention war kurz, es gab keine Kontrollgruppe, und die Stichprobe war heterogen. Für starke, umfassende Effekte – insbesondere körperliche – wäre vermutlich eine längere oder kontinuierliche Anwendung notwendig gewesen. Trotzdem bleibt die Beobachtung zentral: Angst und allgemeines Wohlbefinden verbesserten sich klar.

Was bedeutet das für den Alltag?

Auch wenn McCann die Ergebnisse zurückhaltend einordnet, weisen sie auf interessante praktische Implikationen hin. TRE könnte ein wirksamer Weg sein, um Stress abzubauen, das Nervensystem zu beruhigen und emotionale Selbstregulation zu fördern. Das neurogene Zittern scheint, ähnlich wie bei Tieren, dazu beizutragen, gespeicherte Spannung abzuschütteln und den Körper wieder in einen Zustand von Sicherheit und innerer Ruhe zurückzuführen. Da TRE leicht erlernbar und relativ niederschwellig ist, besitzt es außerdem großes Potenzial als Selbsthilfeinstrument. Wer die Übungen regelmäßig in den Alltag integriert, könnte langfristig von einer verbesserten Stressverträglichkeit, weniger Angst und einem gesteigerten Wohlbefinden profitieren. Gleichzeitig eignet sich TRE als Ergänzung zu klassischen Therapieformen, besonders für Menschen, die einen körperorientierten Zugang zu Stress- und Traumasymptomen suchen. Natürlich sind die Ergebnisse vorläufig. McCann weist zu Recht darauf hin, dass größere, kontrollierte Studien nötig sind, um die Wirksamkeit von TRE verlässlich nachzuweisen. Doch die ersten Hinweise sind ermutigend: TRE kann offenbar genau das, was Tiere seit Millionen Jahren tun, den Körper dabei unterstützen, Belastungen abzuschütteln und wieder in ein lebendiges, reguliertes Gleichgewicht zurückzufinden.

Literatur:

  • McCann, T. (2011). An evaluation of the effects of a training program in Trauma Releasing Exercises on quality of life. University of Cape Town, Cape Town, South Africa.

Bilder: