Feldenkrais Nürnberg Christian Rabhansl

Wie funktioniert Feldenkrais?

Neurologisch betrachtet versucht das Gehirn immer den Weg des geringsten Widerstandes zu wählen. Dies macht das Gehirn sehr gut, ohne das Zutun des Verstandes. Somit müssen wir uns nicht ständig darum kümmern, wie wir uns bewegen. Jedoch erwirbt jeder Mensch mit der Zeit gewisse Eigenheiten, welche zuträglich oder abträglich sein können. Ein anderes Wort für Eigenheiten wäre Gewohnheiten und eine Gewohnheit ist ein Bewegungsmuster. Um Bewegungsmuster jetzt zum Guten hin zu verändern, bedarf es des Lernens. Kognitiv gesehen lernen wir gewisse Bewegungen und diese Bewegungen, zusammen mit einer Steigerung unserer Bewusstheit, befähigen uns, den Weg des geringsten Widerstandes zu finden.

Dafür gibt es im Feldenkrais verschiedene Prinzipien: Wir wissen, dass Lernen kein abgeschlossener Prozess ist. Mit der Bewusstwerdung von Bewegungsmustern zum einem und der Bereitstellung von alternativen Bewegungsmustern zum anderen, geben wir unserem Gehirn die Möglichkeit, die zuträglichsten Bewegungsmuster abzuspeichern. Dies funktioniert, indem wir uns langsam bewegen, denn wer sich langsam bewegt, kann leichter differenzieren, also unterscheiden zwischen einer zuträglichen oder abträglichen Bewegung. Zu der langsamen Bewegung versuchen wir uns auch noch leicht zu bewegen, in anderen Worten suchen wir nach dem effektivsten Weg. Überdies arbeiten wir auch mit proximalen und distalen Beziehungen, d.h. im Alltag bewegen wir uns vorwiegend distal, also mit den Armen und Beinen. Bei Feldenkrais verlagern wir die Bewegungen in den proximalen Bereich, also mehr in Richtung Körpermitte – Wirbelsäule und Becken – und versuchen diese besser zu organisieren. Außerdem bauen wir auch Beschränkungen in Lektionen ein. Dies gibt dem System „Mensch“ eine neue Herausforderung, sich anders und effizienter zu organisieren.

Diese Prinzipien und andere finden sich wieder in zwei Modalitäten, die beide einen Lernprozess anstoßen, der dazu beiträgt, ein erfüllteres Leben zu führen.

Die Gruppenstunden heißen „Bewusstheit durch Bewegung“ oder (ATM = Awareness through movement). In diesen strukturierten Stunden befinden sich die Schüler entweder auf dem Boden, auf einem Stuhl oder sie stehen. Der Lehrer führt den Schüler verbal durch eine Anzahl an Bewegungen, wobei der Fokus hierbei darauf liegt, die Bewegungen langsam und minimal zu durchzuführen. Dies dient dazu, kleine Unterschiede in der Bewegung festzustellen, was am Anfang, während der Lektion und am Ende stattfindet. Auf diese Art und Weise lernt der Schüler die Beziehungen der einzelnen Teile zueinander besser wahrzunehmen. Unnötige Bewegungen und Muskelanspannungen fallen früher auf und können somit korrigiert werden. Dies führt dazu, Bewegungen mit einer höheren Effizienz und Eleganz durchzuführen. Diese Art des Lernens ist angelehnt an das Lernen eines Neugeborenen. Wir schaffen ein Lernumfeld für das Nervensystem, um alte Gewohnheiten zu überschreiben und neue Bewegungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Die Einzelstunde wird „Funktionale Integration“ genannt. Hier begibt sich der Feldenkrais-Pädagoge in eine Beziehung mit dem Schüler, welche non-verbal mit den Händen stattfindet. Der Schüler erfährt hier gewisse Bewegungsmuster durch die klaren und sanften Berührungen des Pädagogen, welche dazu führen, dass das Nervensystem diese neuen Bewegungen integriert. Diese Bewegungsmuster dienen dazu, die Bewegungsfähigkeiten des Schülers zu verbessern, indem Variationen der Bewegung durch Berührung vermittelt werden. Der Pädagoge richtet sich hierbei an die individuellen Wünsche und augenblicklichen Bedürfnisse des Schülers, welche der Schüler vorab mit dem Pädagogen bespricht. Eine Einzelbehandlung kann im Liegen, Sitzen oder auch im Stehen stattfinden. Bequeme Kleidung ist dabei natürlich von Vorteil.