Lesezeit: 3 Minuten


veröffentlicht am: 1. März 2016

Spirituelle Gelassenheit

Welche Einstellung haben Sie beim Verfolgen ihrer alltäglichen Dinge und beim Verfolgen langfristiger Dinge? Geht es Ihnen primär um Gewinnmaximierung und sekundär darum, der beste Mensch zu werden, der „Sie“ sein könnten? Ich möchte und kann auch auf diese Fragen keine endgültige Antwort geben, denn dies wäre höchstwahrscheinlich verheerend. Doch genügend Wagemut ist noch vorhanden, um mir diesem großen und manchmal schwer durchschaubaren Gebiet eine Annäherung abzugewinnen. Grundsätzlich möchte ich sagen, das für mich Menschsein mit Entwicklung zu tun hat. Entwicklung umfasst viele Bereiche, kognitive wie auch emotionale, motorische wie auch perzeptuelle, so auch den spirituellen Bereich. Im folgenden finden Sie meine elf aufeinander aufbauende Aussagen Richtung spiritueller Gelassenheit.

  1. Was ist für mich Spiritualität? Wenn Philosophie das Denken über die Existenz und das Leben der Lebewesen, die Welt und unsere eigenen Konzepte ist, könnte Spiritualität dann ein Staunen sein? Ein Staunen über die vielfältigen Ereignisse des Lebens? Denkst du manchmal zu wissen, was die Ergebnisse sind, vorausschauen zu können, um dann feststellen, dass deine vorausgeträumten Hypothesen einem Fehler unterlagen. Was würde sich besser eignen als das Erstaunen über die vielfältigen Ereignisse des Lebens.
  2. Alte und rigide Gedankenmuster im Kopfe gilt es loszulassen, sich dem Leben stellen, aktiv an ihm teilzunehmen, sich eingebettet zu fühlen. Das hört sich fast an wie Passivität, ist es jedoch nicht. Ich spreche eher von einer Art des Geschehen-Lassens, ein Sich-Hingeben. Ich gebe mich einem Prozess hin, dem Prozess des Lebens.
  3. Wenn das Leben ein Prozess ist, dann kann ich lediglich dafür sorgen das bestimmte Faktoren erfüllt sind. Vergleiche ich mich mit einer Pflanze, so kann ich auch nicht die Pflanze am Schopfe ziehen und sie bitten zu wachsen. Mit mir funktioniert dies auch nicht. Gebe ich der Pflanze jedoch ausreichend Wasser, setze sie ihrem Bedürfniss entsprechend dem Licht aus, kümmere mich um die Erde und putze regelmäßig ihre Blätter, so arbeite ich an vielen Faktoren gleichzeitig und lasse einfach nur noch geschehen. In diesem Prozess des Geschehenlassens gedeiht die Pflanze und ich erfreue mich dann durch mein Erstaunen.
  4. Dem entgegengesetzt kann ich meinen Tag auch durchplanen, mit to-do-Listen und akribischer Zeiteinteilung. Das ist nicht per se schlecht, jedoch kann auch alles anders kommen und was ist dann mit meinem Plan, ist er dann nichtig geworden? Dies könnte zu blindem Aktionismus führen, welchen ich dann für Produktivität, Effizienz und was nicht noch alles halte. Es bleibt immer noch blinder Aktionismus. Geschäftigkeit ist nicht das gleiche wie Selbstwirksamkeit.
  5. Geschäftigkeit hat in der westlichen Welt einen kleinen Beigeschmack das Maß aller Dinge zu sein. Nur der, der zu hundert Prozent durchstrukturiert, ein Ziel vor Augen, keine Abweichungen zulässt, immer auf Kurs bleibt, gilt als das Maß aller Dinge.
  6. Ich bin nicht das Maß aller Dinge, wenn überhaupt das Maß meiner Dinge. Doch auch dies grenzt an Überheblichkeit und damit schon an indirekter Gewalt. Dies nur zu denken, stellt mich über andere Menschen, doch nicht neben ihnen. Wer nicht kämpft gewinnt, denn wenn ich neben den Menschen stehe und mit ihnen bin, nehme ich auch meine eigene Begrenztheit wahr.
  7. Diese eigene Begrenztheit führt mich zu der Erkenntnis, dass ich ein Mensch aus Fleisch und Blut bin. Das rationale Kalkül hat mich teilweise weit über meine Grenzen hinausgeführt. Dort über die Grenzen hinaus angekommen frage ich mich vielleicht ob dies nicht der Platz ist, dem ich nicht innewohnen möchte.
  8. Ich möchte nicht alleinig dem rationalen Kalkül verfallen zugunsten des blinden Aktionismus, sondern eine Brücke bauen zwischen emotionaler und rationaler Kompetenz. Diese emotionale Kompetenz hat viel dem Erstaunen über die Ereignisse des Lebens zu tun, also mit Spiritualität. Die rationale Kompetenz hat viel mit Sprache zu tun.
  9. Intuition und Intelligenz sind zwei Dimensionen. Wo ist die Schnittmenge? Sprache eröffnet einen Prozess der Reflektion. Diese Reflektion kann Gefühle und Gedanken klarer erscheinen lassen. Diese Klarheit schafft spirituelle Gelassenheit.
  10. Ich sehe diesen Weg als einen Bildungsweg zur Gelassenheit. Ich fühle mich eingebettet in einer Einheit. In dieser Einheit lerne ich zum einen eine tiefe Verlassenheit und zum anderen das Erleben grundlegender Ungewissheit zu ertragen und die Situationen um mich herum zu erkennen.
  11. Jedes Bewusstsein ist ein Wahrnehmungsbewusstsein. Ich erkenne den anderen in mir und vice versa. Ich erlebe mich in einem körperlich-geistigen-ganzheitlichen Kontakt mit der mich umgebenden Umgebung. Spirituelle Gelassenheit stellt sich ein.
Artikel als PDF