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veröffentlicht am: 14. März 2016

Lernen ist das Verändern von Variablen

Bewegung ist nicht alles, doch ohne Bewegung ist vieles nichts. Vielleicht kennen Sie diese Aussage in Bezug auf Gesundheit. Gesundheit ist nicht alles, doch ohne Gesundheit ist vieles nichts. Nehmen wir ein weiteres Zitat hinzu:

“Fortschritt bzw. Verbesserung, und somit eventuell auch Glück, entsteht durch eine konstante und stufenweise Veränderung von Variablen. Diesen Prozess nenne ich Lernen.”

Der Fisch, angepasst an seine Umgebung

Wären Sie gerne ein Fisch? Dieser wird geboren mit einem genetischen Programm. Er muss nicht nachdenken und lernen, wie etwas funktioniert, sondern er macht es bereits, schwimmt genau dorthin wo er hin muss, legt die Eier dort ab, wo er es für richtig hält. Er verhält sich perfekt angepasst an seine Umgebung. Doch nehmen Sie ihn nicht aus dem Wasser, denn das wäre gar nicht gut. Wir Menschen hingegen haben es ein wenig schwieriger, und das ist auch nicht mal so schlecht. Wir besitzen eine außergewöhnliche Fähigkeit, nämlich das Lernen. Lernen als dauerhafte Veränderung im Verhalten eines Organismus aufgrund von Erfahrung. Dies entspricht auf jeden Fall der Definition von Psychologen. Wir manipulieren gewisse Variablen von Zeit zu Zeit und stufenweise verändert sich etwas in unserem Leben. Das macht das Leben sehr spannend.

Japaner und ihre kognitiven Strukturen

Japaner haben ein Unvermögen den Unterschied zwischen R und L zu hören, da diese Laute in ihrem Sprachraum nicht vorkommen. Kognitive Strukturen passen sich an den jeweiligen Sprachraum an, welche komplett anders sein könnten, gegeben dem Umstand, dass ein Japaner in Deutschland aufwächst. Dies lässt schlussfolgern, ob wir nicht alle für bestimmte kognitive Bereiche empfindungslos sind. 1

Eine andere Sichtweise auf Intelligenz

Nun möchte ich einen kurzen Dialog 2 zwischen Humberto R. Maturana und Bernhard Pörksen anführen. In diesem Dialog fand ich eine sehr interessante Definition bzw. eine Sichtweise auf Intelligenz.

„Maturana: Intelligenz manifestiert sich in der Möglichkeit, das eigene Verhalten in einer sich verändernden Welt zu variieren. Wann immer man ein Lebewesen als intelligent klassifiziert, so meint man eigentlich, dass es sein Verhalten in adäquater Weise transformiert. Als in der Sprache lebende Wesen benötigen und besitzen wir eine derart gigantische Plastizität des Verhaltens, dass man mit Fug und Recht sagen kann: Allein dieses Faktum, dass wir in einem Bereich der Koordination von Verhaltenskoordinationen existieren, macht uns zu allesamt in gleicher Weise intelligenten Lebewesen. Natürlich gibt es unterschiedliche Erfahrungen und Vorlieben, Interessen und auch Fähigkeiten, das stimmt schon. Aber ich behaupte, dass jeder Mensch, wenn er nur will, zu lernen vermag, was ein anderer auch lernen konnte.

Pörksen: Das klingt nun so, als könne sich jeder in einen Albert Einstein – in eine Ikone überragender Intelligenz – verwandeln.

Maturana: Nicht jeder wird ein Albert Einstein, aber jeder kann, wenn er dies will, lernen, was Albert Einstein gelernt und gelehrt hat. Natürlich wird er nicht denselben Weg gehen wie Albert Einstein, er wird auch nicht dieselben Begriffe und Theorien erfinden, weil dies auch gleichartige Lebensumstände und identische Erfahrungen voraussetzen würde. Und selbstverständlich schränkt sich ein Mensch, der eine Lebensform und einen beruflichen Weg gewählt hat, in seinen sonstigen Fähigkeiten ein. Wenn ich als Bodybuilder Karriere machen will, dann konzentriere ich mich auf besondere Anforderungen – und andere tauchen erst gar nicht auf. Das bedeutet aber nicht, dass es diesem Bodybuilder, der sich für eine ganz bestimmte Existenz entschieden hat, an einer fundamental gegebenen Intelligenz fehlt.“

Zwang oder freie Entscheidung

Wenn Sie sich für ein paar Minuten entspannt hinsetzen, und überlegen, was Sie so täglich Neues tun, also welche Variablen Sie aktiv verändern, was fällt Ihnen ein?

Die Zeilen im Anschluss schrieb ich ca. 2012 in den USA. Ich konnte damals nur meine linke Hand benutzen. Aus der Not lernte ich mit links zu schreiben. Ich könnte sagen, dass ich gezwungen wurde, denn ich wollte ja schreiben, nur ging es mit rechts nicht, somit lernte ich es mit links. Es war mühsam und unbeholfen am Anfang, doch gibt man dem Ganzen Zeit, so kann Leichtigkeit und Schwung entstehen. Ich hätte mich auch anders entscheiden können, nämlich nicht zu schreiben. Diese Option bestand. Ich blieb allerdings bei der ersten Entscheidung, etwas neues zu lernen.

Life is about being present

 

1 Singer, Wolf (2002). Der Beobachter im Gehirn (S. 35). Berlin: Suhrkamp
2 Maturana, Humberto R.; Pörksen, Bernhard (2008). Vom Sein zum Tun (S. 143 ff). Heidelberg: Carl-Auer-Verlag

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