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veröffentlicht am: 1. Juni 2016

Entspannte Aufrichtung

Ich erinnere mich an die Zeit in Seattle mit Angel Di Benedetto und Richard Corbeil. Wir waren alle zusammen in der St. Edwards School, um von früh bis abends Feldenkrais zu lernen. Am Abend saß ich oft in der Universität Bastyr und ließ das Gesagte Revue passieren. Manchmal nahm ich einen Spaziergang durch den wunderschönen St. Edwards Park. Manche Abende schrieb ich meine Gedanken auf, in eine Art Tagebuch. Hier ist ein Auszug meiner damaligen Erfahrungen und Gedanken:

Haltung wie ein Bambusbaum

Der Artikel hieß “posture like a bamboo” – Haltung wie ein Bambus

Der Körper repräsentiert den Geist. In anderen Worten, wenn Sie wissen möchten, welche Gedanken eine Person haben könnte, beobachten Sie deren Körper, deren Haltung, deren Bewegung. Die Eindrücke, welche Sie daraus erhalten sind nicht statisch. Die Haltung nimmt eine Person jeden Tag mit, somit wird diese Haltung zu etwas Gelebten, zu “acture”. Acture ist die englische Erweiterung des Wortes “posture”. Sie können es auch so lesen. “Posture in action” – Haltung in Bewegung. Diese Haltung ist dynamisch. Sie ändert sich mit der mentalen Einstellung und unterliegt einem konstanten Fluß. Sie können niemals in den gleichen Fluß steigen, da dieser sich immer ändert. Vielleicht kennen Sie den Spruch von Heraklit. Der Geist kann dem Körper helfen mehr zu fließen und der Körper kann dem Geiste helfen mehr bei sich zu sein.

Wie nehmen Sie die Welt wahr? Wie sehen Sie sich selbst? Wie schaffen Sie sich ihren Tag und was hat Haltung damit zu tun? Die Art und Weise, wie Sie morgens aufstehen, wie Sie denken, welche Gefühle Sie verkörpern, werden mehr oder weniger bestimmen, wie Sie sich bewegen, auch wie Sie sich halten. Die Haltung offenbart bis zu einem gewissen Grad, welches genetische und soziale Erbe Sie mit sich herumtragen. Mabel Todd schrieb einst:

„The postural pattern is that of many small parts moving definite distances in space, in a scheme perfectly timed, and with the exact amount of effort necessary to support the individual weights, and to cover the time-space-movement.” 1

Feldenkrais Definition von guter Haltung

Das hört sich sehr dynamisch an, Haltung als eine sich immer ändernde Eigenschaft vom Menschsein. Moshé Feldenkrais betrachtete eine gute Haltung als die Fähigkeit jederzeit und in jede gewünschte Richtung mit einem Minimum an muskulärer Kraft eine Bewegung initiieren zu können. Das könnte bedeuten, das jeder Wirbelkörper mit dem nächst liegenden optimal ausgerichtet ist. Dies macht es Ihnen einfach, sich fortzubewegen. Schauen Sie sich dazu folgendes Bild an:

 

Diese Steine sind optimal zueinander ausgerichtet. Die Kraftlinie von oben nach unten verläuft vertikal zum Untergrund. Mache Sie sich die Erdanziehungskraft zu Ihrem Freund. Da Sie jetzt natürlich nicht wie dieser Stein sind, und auch nicht wie ein Bambus, stellen Sie sich trotzdem mal vor, dass Ihre Wirbelsäule wie ein Bambusbaum ist. Stellen Sie sich dazu hin und stellen Sie sich einfach vor, das ein Wind von einer Seite, links, rechts, vorne oder hinten kommt. Sie geben diesem Wind ganz leicht nach. Sie schmiegen sich dem Wind an, gehen mit dem Wind mit und kommen dann wieder zurück zur Mitte. Nun kommt der Wind von einer anderen Seite und Sie schmiegen sich wieder an. Machen Sie dies ein paar Mal und achten Sie darauf, in welchen Körperbereichen Sie diese Bewegung leicht fällt und wo Sie eventuell eine Blockade spüren. Bitte merken Sie sich Ihre Empfindungen, laufen gegebenenfalls ein wenig durch das Zimmer und achten darauf wie groß Sie sich beim Laufen vorkommen und wie leicht Sie laufen.

Wie fühlen Sie sich jetzt? Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Spaß bei dieser Exploration.

1 Franklin, Eric (1996). Dynamic Alignment through Imagery (S. 14). Champaign: Human Kinetics

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