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veröffentlicht am: 1. Februar 2018

Entscheidungen – Kopf oder Bauch – Teil 1

Eines Tages am Flughafen von Atlanta, …, hinein in eine Bücherei, …, ein Buch mit Zitaten schaute mich an und bat gelesen zu werden. Ich blätterte und fand dieses Zitat:

“First we make our decisions, then, these decisions turn around and make us.”
Frank William Boreham

Entscheidungen

Entscheidungen! Jeder von uns kennt sie. Wir treffen sie jeden Tag, jede Stunde, jede Sekunde. Manchmal entscheiden wir aus dem Bauch heraus, manchmal treffen wir eine Entscheidung mit dem Verstand. Manchmal tun wir etwas, ohne überhaupt zu merken, dass wir bereits entschieden haben und manchmal entscheidet einfach nur die Zeit. Was machen Sie morgens, wenn der Wecker klingelt? Packen Sie mit eiserner Disziplin den Tag an oder dösen Sie gerne noch ein paar Minuten länger? Putzen Sie sich vor dem Schlafengehen die Zähne, vor jedem Schlafengehen, auch wenn Sie müde in einer Hotelbar sind und sich ins Bett schleppen müssen? Kümmern Sie sich regelmäßig um ihre Beweglichkeit, um auch im Alter noch geschmeidig zu bleiben, oder machen Sie erst etwas, sobald es weh tut? Trinken Sie noch ein Glas Rotwein mehr, da jeder es tut und geben sich somit dem Gruppenzwang hin, oder hören Sie auf Ihr Bauchgefühl, dass es nun zu viel ist? Entscheidet bei Ihnen primär der Kopf oder mehr der Bauch, oder beide zusammen? Es wäre jedoch gut, wenn Kopf und Bauch zusammenarbeiten.

Selbstkontrolle allein ist nicht optimal

Es gibt zwei Möglichkeiten, welche uns im Umgang mit unserem Bauch und unserem Kopf für Entscheidungen zur Verfügung stehen. Selbstkontrolle bzw. Selbstdisziplin ist die eine Möglichkeit und Selbstregulation die andere Möglichkeit. Selbstkontrolle ist auf Dauer eine suboptimale Lösung, mit sich umzugehen. Der Kopf bzw. der Verstand braucht einwandfreie Arbeitsbedingungen. Sobald es hier zu Störungen kommt, sei es nur die kleinste Ablenkung, steht es sehr schlecht mit der Selbstkontrolle. Störungen können sich in unterschiedlichster Art ausdrücken. Ein Zuviel von etwas ist genau so hinderlich wie ein Zuwenig von etwas. Versuchen wir zu viele Tätigkeiten unter einem Hut zu bringen, eine Bachelor Arbeit schreiben, im gleichen Zeitraum eine zusätzliche Sprache lernen und so ganz nebenbei im Verein eine verantwortungsvolle Tätigkeit mit übernehmen, kann dies unsere Selbstkontrolle ins Wackeln bringen. Genau so ungünstig wirkt sich Unterforderung oder Langeweile auf unsere Selbstkontrolle aus. Unser Gehirn braucht ein klein wenig Herausforderung, um flüssig an eine Tätigkeit heranzugehen. Eine mangelnde Befriedigung von Basisbedürfnissen wirkt sich auch negativ auf die Selbstkontrolle aus. Immer genügend zum Essen und zum Trinken zu haben, ausreichend Schlaf, aber auch andere Bedürfnisse wie Sicherheit und Selbstverwirklichung sollten nicht zu kurz kommen.

Willenskraft ist nicht immer Ihr Freund

Ist die Willenskraft zu stark ausgeprägt, so dass wir ständig mit einem Übermaß an Selbstkontrolle leben, kann dies verheerende Folgen, wie z.B. Burnout, Depression, Essstörungen etc. mit sich bringen. Einmal die Willenskraft dazu zu benutzen, etwas zu tun, was wir eigentlich nicht wollen, ist nicht notwendigerweise schlimm. Konstant und verbissen eine Ernährungsumstellung umzusetzen, ist wohl eher gesundheitsschädlich anstatt förderlich. Das kann aber auch nicht bedeuten, einfach zu tun und zu machen, was wir wollen, ohne Rücksicht auf Verluste. Wir leben ja schließlich nicht wie Einsiedler, sondern in einer Gemeinschaft mit vielen verschiedenen Individuen. Eine gesunde Mitte, ein nicht wirklich neuer Ansatz, wäre doch mal ein erstrebenswertes Ziel. Anstatt gesunde Mitte könnten wir auch Selbstregulation sagen.

Selbstkontrolle und Selbstregulation

Julius Kuhl prägte diese beiden Begriffe, Selbstkontrolle und Selbstregulation. Bei der Selbstkontrolle arbeiten Kopf und Bauch nicht zusammen. d.h. jemand orientiert sich bezüglich seiner Entscheidungen nicht an sein emotionales Erfahrungsgedächtnis und seine somatischen Marker, sondern an Regeln, welche von außen kommen. In anderen Worten möchte der Bauch das eine, z.B. eine Familienpizza essen und der Verstand möchte das andere, nämlich fasten. Auf Dauer kann dies krank machen, wenn Bauch und Kopf im ständigen Twist nebeneinander her leben. Bei der Selbstregulation arbeiten Kopf und Bauch zusammen, d.h. jemand kann die somatischen Marker und die Emotionen gut wahrnehmen und in den Entscheidungsprozess miteinbeziehen. Eine verbesserte Selbstregulation erhöht die Selbstsicherheit. Diese erhöhte Selbstsicherheit ist für angemessene Entscheidungen sehr wichtig. Das Wissen von einem emotionalen Erfahrungsgedächtnis und die Fähigkeit, dieses Gedächtnis richtig zu interpretieren, ist hierbei von großer Wichtigkeit.

Im zweiten Teil werde ich näher auf das emotionale Erfahrungsgedächtnis eingehen und noch ein paar weitere Sachen erwähnen.

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