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veröffentlicht am: 15. Februar 2018

Entscheidungen – Kopf oder Bauch – Teil 2

Entscheidungen liegen nicht in meiner Umwelt herum und warten darauf gepickt zu werden. Manchmal jedoch bedarf es der Geduld zu warten und zu beobachten. Sicherheiten gibt es dabei nie, sondern nur Wahrscheinlichkeiten. Die Person, welche dies verstanden hat, lebt ab sofort mit einer Prise mehr an Leichtigkeit. Es gibt auch nicht die eine richtige Entscheidung, sondern immer nur bessere oder schlechtere Entscheidungen für eine spezifische Situation. Und aus jeder Entscheidung, wie auch immer sie ausfallen sollte, lässt sich im Rückblick etwas lernen, sofern die Fühler auf Lernen eingestellt sind. Entscheidungen in einem Bereich zu treffen, von den man keine Ahnung hat, kann auch verheerende Folgen haben.

Das emotionale Erfahrungsgedächtnis

Gute Entscheidungen basieren nicht nur auf den Verstand. Das emotionale Erfahrungsgedächtnis, ein Begriff von dem Hirnforscher Gerhard Roth geprägt, entwickelt sich bereits vor der Geburt. Es speichert alles was dem Organismus widerfährt in Form von Gefühlen und Körperempfindungen. Das Gedächtnis ist von Person zu Person unterschiedlich, da jede Person bestimmte Verhaltensweisen unterschiedlich speichert, entweder angenehm oder unangenehm. Manche Menschen werden von klein auf dazu erzogen, Anderen zu helfen. Diese Einstellung im Erwachsenenalter zu ändern, kann Schuldgefühle hervorrufen. Nein zu sagen, wird zur Herausforderung.

Beispiel Selbstsicherheit

Es gibt ein sehr schönes Beispiel von der Psychologin Maja Storch – die Selbstsicherheit anhand des Stolzes bzw. des verletzten Stolzes. Selbstsicherheit entsteht dann, wenn nach einer gewissen Zeit eine Entscheidung getroffen wird, welche die zukünftige Verhaltensweise ändert. Diese Entscheidung basiert auf der Emotion und der Körperempfindung. Wenn jemand in seinem Stolz verletzt ist und gewisse Dinge nicht mehr akzeptieren möchte, einen Strich ziehen möchte, so hat dies nicht mit dem Verstand, sondern mit dem Gefühl dahinter zu tun, denn dieses Gefühl läuft gerade über, wie ein volles Glas. Dieses gefühlte Selbst speist sich aus unserem emotionalen Erfahrungsgedächtnis, und dieses wiederum ist eng verbunden mit den somatischen Markern. Was für Marker?

Somatische Marker

Sie wissen jetzt bereits, dass gute Entscheidungen nicht nur vom Verstand allein getroffen werden. Das Bauchgefühl, die weichen Knie, die kalten Hände, etc. haben meist mehr mit der Entscheidung zu tun, als Sie vermeintlich zu denken vermögen. Diese Empfindungen heißen somatische Marker und diese hat jeder Mensch. Manche nehmen sie wahr, andere wiederum nicht. Dann gäbe es auch noch die Art und Weise, wie die somatischen Marker wahrgenommen werden. Jeder Mensch nimmt diese Marker anders wahr. Wichtig für die Handlungsentscheidung ist, sie richtig zu interpretieren.

Natürlich gibt es Menschen, die somatische Marker überhaupt nicht wahrnehmen. Ihre Eigenwahrnehmung ist kaum entwickelt, sie haben keinen Bezug zum emotionalen Erfahrungsgedächtnis, sie sind sehr kopflastig, sie besitzen nicht die Fähigkeit eigene Ziele von fremden Zielen zu unterscheiden, sie sind somit leicht von außen beeinflussbar. Überdies gibt es auch Menschen, welche die somatischen Marker wahrnehmen, jedoch ihre Entscheidungen nicht nach ihnen ausrichten. Auf Dauer speist dies ein Gefühl der inneren Zerrissenheit. Gelebt wird nicht das eigene Leben, sondern die Vorstellung wie man zu sein hat. Es könnte sich wie Theaterspielen anfühlen, wie als hätte man eine Maske auf.

Vorentscheidungen durch Bewertungen

Um Entscheidungen zu fällen, bedarf es einer Bewertung. Diese ist entweder verstandesgelenkt oder körperlich gelenkt, durch die somatischen Marker. Verstandesgelenkt würde bedeuten eine Kosten-Nutzen-Analyse zu erstellen, Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen. Somatische Marker funktionieren anders. Sie funktionieren nach dem Stop-oder-Go-Prinzip. Dieses Prinzip ist sehr schnell und dient primär dem Überleben und sekundär der Steigerung des eigenen Wohlbefindens. Nach diesen somatischen Markern folgen meist sachliche Überlegungen. Somatische Marker treffen somit eine Vorentscheidung. Diese somatischen Marker werden in der somatosensorischen Großhirnrinde verarbeitet, einem bestimmten Teil im Gehirn, verantwortlich für körperliche Signale, äußerliche wie innere. Menschen mit der Krankheit Anosognosie, also einer Schädigung der somatosensorischen Großhirnrinde, sind nicht nur in der Eigenwahrnehmung beeinträchtigt, sondern es mangelt ihnen auch an der Fähigkeit, angemessene Entscheidungen zu treffen. Halten wir fest: Emotionen und Körperwahrnehmung sind wichtig für angemessene Entscheidungen.

Für die psychische Gesundheit

Angemessene Entscheidungen führen auf Dauer zur psychischen Gesundheit. Dies bedeutet nicht, eigene Gefühle und Körpersignale zu unterdrücken, oder mit dem Verstand zu manipulieren, aber auch nicht, jedem Gefühlsimpuls hinterherzurennen. Psychisches Wohlbefinden besteht aus der Kongruenz der unbewussten Bewertung und der bewussten Bewertung, also aus der Übereinkunft von Bauch und Kopf. Erst dies erzeugt Authentizität. Ein Mensch der aus Überzeugung handelt wird auch genau so wahrgenommen. Wie schaffen Sie es nun, das Kopf und Bauch zusammen arbeiten, um Ihr psychisches Wohlbefinden zu erhöhen? Oder, wie schaffen Sie es vorab, überhaupt erst mal wahrzunehmen, was ihr Bauch da so von sich gibt und zu hören, was ihr Kopf dazu sagt?

Rückmeldeschleifen und Ideenkörbe

Eine Möglichkeit wären Rückmeldeschleifen, d.h. der ständige Austausch zwischen Bauch und Kopf. Dies kann sehr schnell gehen oder Wochen und Jahre dauern. Sie könnten auch Fremde, keine Bekannten oder Freunde, befragen, wie sie in solch einer Situation entscheiden würden. Freunde und Bekannte wissen zu viel von Ihnen und dies würde die Aussagen subjektivieren. Sie sammeln also Ideen für einen Ideenkorb. Manchmal wissen andere Menschen besser, was Ihnen gut tut, als Sie selbst. Aus diesem Ideenkorb wird die Idee herausgepickt, die Ihnen am besten gefällt. Diese wird dann mit dem Verstand überprüft. Darauf basierend wird ein Plan von Ihnen gemacht. Diesen wiederum überprüfen Sie regelmäßig mit Rückmeldeschleifen.

Verbesserung der Eigenwahrnehmung

Eine weitere Möglichkeit ist die Verbesserung der Eigenwahrnehmung, denn je mehr Sie von sich wahrnehmen, körperlich wie psychisch, desto besser wird Ihre Selbstregulation. Methoden, wie Atemtherapie, Yoga, Qi Gong, die Franklin Methode oder auch Feldenkrais, können Ihnen dabei helfen. Ich persönlich präferiere natürlich Feldenkrais, was Sie tun überlasse ich ganz Ihnen selbst, solange es gut für Sie ist.

Fazit

Ich orientiere mich direkt an den Worten von Moshé Feldenkrais. Diese können Sie in der folgenden Audiodatei selbst anhören.

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