Lesezeit: 7 Minuten


veröffentlicht am: 2. Dezember 2017

Dreidimensionale Leichtigkeit in der Haltung

Dieser Artikel beinhaltet eine Audiolektion, welche sich am Ende des Artikels befindet. Bitte lese Dir dazu zuerst den Artikel komplett durch, um einen Einblick und ein höheres Verständnis zu bekommen. Im Anschluss wünsche ich viel Erfolg, Spaß und neue Erkenntnisse mit der Audiolektion.

„Eine Kultur kann nur an ihrer eigenen Schwäche sterben.“
André Malraux

Die Stärken einer Kultur können gleichzeitig die Schwächen einer anderen Kultur darstellen. Ich befinde mich in der westlichen Kultur, in Deutschland, einem Land, in dem sich Menschen nun mal so bewegen, wie sie das eben tun. Zu einem gewissen Teil sitzen wir und manchmal stehen wir auch, und stehen uns dabei die Beine in die Hüfte bis diese steif wird. Manchmal tanzen wir auch und spielen mit kleinen Kindern auf dem Boden. Doch, ganz ehrlich, wie oft kommt dieses Tanzen und Spielen vor, jeden Tag für 60 Minuten? Ich gehe mal von einem “Nein” aus. Es mag bestimmt auf manche Menschen zutreffen und vielleicht schaffen es diese Menschen auch für 120 Minuten pro Tag. Andere Kulturen haben sich diese Fähigkeiten in den Alltag integriert und schaffen sich somit einen ungemeinen Benefit für ein gesundes Älterwerden. In Afrika oder Indien zum Beispiel ist es keine Seltenheit in der tiefen Hocke zu sitzen und vielfältige Dinge zu tun, vom entspannen bis hin zum arbeiten. Diese Schulung der Koordination, Kraft und Mobilität trägt dazu bei, dass sich über Zeit weniger bis keine Kompensationen aufbauen. Diese Kulturen haben sich eine gesunde Aufrichtung zur Priorität gemacht, sei es eine Schale auf dem Kopf zu tragen oder von A nach B zu rennen, einfach so. Die Frage, ob diese Kulturen das aus Kalkül gemacht haben oder ob es eine integrative Leistung der kulturellen Gegebenheiten ist, lässt sich bestimmt beantworten. Eine Mischung aus beiden, denke ich, stellt eine mögliche Annäherung an eine Antwort an. Ich könnte jetzt bis ins Unendliche weiterreden, aber ich denke, du kannst das Bild das ich versuche zu zeichnen, nachvollziehen. Die liebe Haltung, sie ist nichts statisches und auch nichts monokausales. Es gibt nicht den einen Grund, warum Haltung eventuell schlecht ist und wie würden dann wir „schlecht“ definieren? Haltung ist multifaktoriell. Anbei mal ein paar Faktoren, welche sich auf die Haltung auswirken.

Faktoren, die Haltung beeinflussen

  • Es fängt mal damit an wie du dich siehst. Siehst du dich als Maschine, z.B. als Porsche oder siehst du dich als Pflanze, z.B. als Eiche. Je nachdem welches Bild du als Imagination heranziehst, desto mehr wirst du zu diesem Bild werden. Es könnten auch mehrere Steine sein, welche aufeinander ausbalanciert sind. Wie wäre es mit einem Bambusbaum, welcher sich dem Winde hingibt, aber nicht bricht?
  • Unser Skelett gibt natürlich gewisse Dinge vor. Wir, als Menschen mögen, verglichen mit dem Fisch, dem Pferd und dem Hund, zwar ein ähnliches Skelett haben, obwohl sich dieses auch von Mensch zu Mensch unterscheidet. Der Winkel, mit dem der Oberschenkelkopf in der Hüftpfanne sitzt, die Ausprägung unserer Beckenschaufeln, die Schulterblätter usw.
  • Das liebe soziale Erbe wäre ein weiterer Faktor. Lebst du in einem benachteiligten Viertel, ohne die tägliche Sicherstellung der Grundbedürfnisse oder in einem gehobenen Stadtviertel in einem Haus mit 4 Schlafzimmern und intellektuellen abendlichen Tischgesprächen. All dies wird sich auf deine körperliche und geistige Tätigkeit auswirken.
  • Zwischen körperlicher und geistiger Tätigkeit besteht in soweit eine Korrelation, dass der eine Zustand (geistig) den anderen Zustand (körperlich) beeinflusst und umgekehrt. Es lässt sich nicht zu hundert Prozent sagen, dass du in einer der beiden Zustände besser aufgehoben wärst. Vielleicht lässt sich dies im Bezug auf Bildung sagen, jedoch nicht was die Haltung betrifft.
  • Dein derzeitiger emotionaler Zustand hat große Auswirkungen auf deine Haltung, vor allem auf deinen Haltungstonus. Betrachte dich mal im Spiegel von vorne und von der Seite, an Tagen mit mieser Laune oder Depression und mache das auch an Tagen voller Euphorie oder einfach nur Entspanntheit. Es wird ein Unterschied vorhanden sein, vielleicht größer als du zu denken magst.
  • Die Haltung, welche du heute mit dir herumträgst, entsteht nicht aus einem luftleeren Raum. All die Dinge, welche du gestern getan hast und auch die Tage, Wochen und Monate davor, haben einen Einfluss auf deine heutige Haltung.
  • Wer kennt es nicht, Morgensteifigkeit? Die Art und Weise wie du schläfst, wirkt sich auf deine Haltung aus. Es ist nicht notwendigerweise die Länge des nächtlichen Schlafes, sondern die Qualität, gemessen an Schlafunterbrechungen während eines Schlafzykluses von 90 Minuten.
  • Dann wäre da noch die Organisation verschiedener Systeme, wie zum Beispiel die Augen, der Gleichgewichtssinn im Innenohr, und die Muskeln, welche dir nonstop über deine Lage Aufschluss geben.
  • Nicht zu vernachlässigen wäre unser Klima. Deine Haltung wird eine andere sein bei Minus 20 Grad in Moskau oder bei Plus 40 Grad in Dallas. In Dallas wirst du zwar nicht frieren, jedoch kann Hitze sich auch abträglich auf die Haltung, bzw. die Bewegung auswirken, insofern, dass du einfach keine Lust hast auf Bewegung und lieber im klimatisierten Wohnzimmer auf der Couch liegst. Das wäre definitiv keine gute Alternative, außer sie wäre nicht auf Dauer.
  • Gehe mal zurück in deine Kindheit. Deine Haltung mag perfekt gewesen sein, doch da waren all die anderen Menschen, welchen du eventuell versucht hast zu imponieren, indem du sie imitiert hast.

Auch hier könnte ich noch weitere Gründe finden, doch ich denke, dass diese Gründe dir zumindest mal einen guten Überblick geben, was alles mit Haltung zu tun hat. Als nächstes möchte ich auf die anatomischen Ebenen und Achsen eingehen.

Ebenen, Achsen und der Kronenpunkt

Du hast jetzt eine Menge Ideen bekommen, um über deine spezifische Haltung nachzudenken. Verbinden wir nun diese Ideen mit einem anatomischen Bild der Ebenen und Achsen. Dazu schaue dir bitte folgendes Bild an:

 

 

Du siehst auf diesem Bild drei Ebenen. Ich werde nun zu jeder Ebene etwas schreiben:

Die rote Ebene ist die Sagittalebene. Wenn du deinen Arm hängen lässt und nun im Ellbogen anwinkelst, als wenn du einen Bizeps Curl machen möchtest, dann passiert dies in der Sagittalebene. Viele Übungen im Krafttraining finden in dieser Ebene statt. Jedoch gibt es auch alltägliche Dinge, welche in der Sagittalebene stattfinden, z.B. das Hinsetzen/Aufstehen auf einen Stuhl. All die Bewegungen, welche du hierfür machst, sind primär in der Sagittalebene zu finden.

Eine weitere Ebene ist die blaue Frontalebene. Wenn du deinen Arm oder dein Bein wie eine Prima Ballerina zur Seite abspreizt, so passiert dies in der Frontalebene. Dies legt schon nahe, in welche Professionen du solche Bewegungen findest, z.B. im Ballet. Es gibt jedoch auch Alltagsbewegungen, welche in dieser Ebene stattfinden. Stelle dir vor, du sitzt auf einem Stuhl und dir fällt ein Stift genau links neben dir auf den Boden. Der Stift ist nicht so weit weg, somit reicht es auch wenn du deinen Oberkörper seitlich nach links beugst, d.h. deine linke Oberkörperseite zieht sich zusammen, deine rechte Oberkörperseite zieht sich auseinander. Dein Arm greift nun nach den Stift. Die Bewegung des Oberkörpers fand in der Frontalebene statt.

Zuletzt gibt es noch die blaue Transversalebene. Stelle dir vor, du stehst auf dem Fußboden und drehst deinen Körper um die eigenen Achse um nach hinten über die Schulter zu schauen. Diese Bewegungen, vorwiegende Rotationen, finden auf der Transversalebene statt. Diese Bewegungen finden sich in verschiedensten Sportarten. Sehr oft wirst du es im Boxen sehen oder auch im Tanz.

Zu den Achsen sei folgendes gesagt. Jede Ebene hat eine Achse. Diese Achse steht immer senkrecht auf der Ebene. Das einfachste Beispiel wäre die Transversalebene, welche du dir auch als Fußboden vorstellen kannst. Jetzt stelle dir ein Lot von deinem Schädeldach bis runter zum Boden vor. Dieses Lot würde die Longitudinalachse darstellen, um der du dich drehst. So steht auch auf der Sagittalebene und der Frontalebene jeweils eine Achse im rechten Winkel zur Ebene. Um diese Achsen bewegst du dich.

Dann gäbe es ein interessantes Konzept, den Kronenpunkt. Stell dir folgendes vor. Du bist bei einem Physiotherapeuten und liegst mit dem Rücken auf dem Tisch bzw. der Liege. Der Therapeut steht hinter dir und dein Kopf liegt in seinen Händen. Jetzt zieht der Therapeut ganz leicht und ganz langsam an deinem Kopf, also, er zieht die Wirbelsäule lang. Dieser Effekt kann ziemlich entspannend sein. Nun hast du keinen Physiotherapeuten und stehst auf dem Fußboden. Stelle dir vor du selbst machst nun aktiv diese Bewegung, welche dein Physiotherapeut mit dir machte. Du ziehst dich nun selbst lange. Ein paar Marker für die Aufrichtung über den Kronenpunkt wären:

  • das Kinn bewegt sich minimal Richtung Brustbein
  • das Schädeldach schiebt sich minimal nach oben
  • die Augen liegen auf Horizont
  • die Fußgewölbe nehmen an Spannung zu
  • das Becken richtet sich auf, d.h. die Lendenlordose nimmt ab
  • das Brustbein schiebt sich minimal nach vorne und oben

Das waren nun ein paar Informationen zu Ebenen, Achsen und Kronenpunkt. Kommen wir nun zur Audiolektion.

Haltung bewusst machen und aktiv ändern

Um den ganzen einen kleinen Charakter einer Studie zu geben, empfehle ich dir vor der Lektion ein Lied deiner Wahl anzuhören und dich ganz einfach und ungeniert dazu zu bewegen. Mache dann die Lektion und höre dir danach noch einmal das Lied an und bewege dich dazu. Gibt es einen Unterschied, und falls ja, wo genau besteht dieser Unterschied?

Ich persönlich hörte mir folgendes Lied von Hindi Zahra dazu an:

Du musst nicht dieses Lied anhören. Wähle ein Lied nach deinem Geschmack. Nun zur Lektion. Sorge dafür nicht gestört zu werden, z.B. durch ein Klingeln des Mobiltelefons. Ich werde mich in der kurzen Lektion auf die Ebenen, welche ich vorher beschrieben habe beziehen. Viel Spaß mit der Lektion und ja, ich freue mich natürlich über Kommentare.

 

Fazit

Um diesen Artikel kurz abzuschließen, möchte ich noch auf eventuelle Ergebnisse der Lektion eingehen. Es könnte sein, dass sich Leichtigkeit in deiner Selbstorganisation spüren lässt. Diese Leichtigkeit bezieht sich auf deine Bewegung in den drei Ebenen und um die drei Achsen. Diese entspannte und eventuell auch sehr aufrechte Haltung kann zu einer wahrnehmbaren Reduktion deiner Muskelspannung führen, aufgrund der verbesserten Selbstorganisation. Du könntest jetzt ein besseres Verständnis vom deinem Körper im Raum haben, was Dir dabei hilft dich leicht zu jeder Zeit in alle Richtungen zu bewegen.

2 Kommentare

  1. Maren

    Habe mich so eben federleicht in den ersten Advent getanzt ;-))))
    Sehr schöne leichte Übung und hat mir persönlich viel Freude bereitet.
    Dank Dir für eine herrliche Audiolektion zur Vorweihnachtszeit.

    Maren

    3. Dezember 2017

  2. Masha

    Oh ja, danke sehr! Kommt wie immer sehr willkommen 🙂 Ich war danach sehr geschmeidig und leicht <3
    Ganz tolle Lektion 🙂

    3. Dezember 2017

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